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Ulla Schneider Kontakt:
Winkeler Str. 63
65366 Geisenheim Tel. 06722 - 9963-13
Fax 06722 - 5542 |
Gottes Acker
Viele Menschen, gerade in den größeren Städten, gehen regelmäßig auf
den Friedhof, um dort einen Spaziergang zu machen. Wo sonst findet man in der Stadt so
liebevoll gepflegtes Grün? Alte Bäume wiegen mächtige Kronen, es gibt bunte Blumen,
Brunnen, Ruhebänke und saubere Wege. Dazwischen die Tiere, die diesen Ort mit Leben füllen,
Eichhörnchen und selten gewordene Vogelarten.
Ist ein Friedhof ein Garten? Irgendwo schon, denn wir sprechen von "Gräberfeldern" und "Rabatten". Wir verwenden Gießkanne und Gartenschere, um alles in Ordnung zu halten. In vergangenen Jahrhunderten waren die Friedhöfe alles andere als Gärten. Dicht an Dicht waren die Gräber um die Kirche herum angelegt, damit man sich bei der Auferstehung möglichst beim Heiligen befand, dessen Reliquien unterm Altar lagen. Nur Reiche konnten sich eine Bestattung in der Kirche und nur die ganz Reichen eine Bestattung beim Altar leisten. Martin Luther verdanken wir die Einsicht, dass es beim Weltende keine besseren oder schlechteren Bestattungsplätze geben wird. Deshalb konnten Friedhöfe zunehmend außerhalb der Kirchhöfe angelegt werden. Friedhöfe waren und sind eingefriedete Orte; einerseits um die Gräber zu schützen, andererseits um sich von den Toten abzugrenzen. Wir legen Tote in die Erde einer Art Garten oder Park und es gibt kaum einen Ort, an dem wir handgreiflicher und mit allen Sinnen erfahren, was das Leben ist. Beim Arbeiten in der Erde, beim Bepflanzen und beim Hören des Vogelgezwitschers. Wir lernen etwas über unseren Platz in der Schöpfung. Dass unser Planen und Machen eine Grenze hat. Was hier gilt, gilt für unser ganzes Leben: Es gibt eine Zeit des Werdens und Wachsens und eine Zeit des Vergehens und Sterbens. Auch wenn es neue, manchmal bizarre Bestattungsmöglichkeiten gibt, ist kaum etwas so tröstlich wie ein Friedhof oder ein Friedwald. Das ist ein starkes Stück Hoffnung: Die Toten kehren zu Gott zurück, dem sie ihr Leben verdanken. Jemanden in Gottes Erde zu legen, heißt zugleich, dass es mit unseren Sorgen und Mühen um diesen Menschen ein Ende haben darf. Das christliche Begräbnis ist ein Vertrauensakt: Um die Toten kümmert sich Gott. Wer im Wechsel der Jahreszeiten das Werden und Vergehen der Pflanzen in diesen besonderen Gärten erlebt, hat vor Augen, dass der Tod zum Leben gehört und dass unsere Toten bei Gott gut aufgehoben sind. Ihre Pfarrerin Ulla Schneider
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